Newsletter Februar 2019 - Lachen im Zen?

In einigen Tagen werde ich wieder mit vielen von euch in der Stille im Lesachtal in den Bergen wandern und die Zenmeditation pflegen.

Jedes mal bin ich tief berührt, wenn ich am frühen Morgen aus dem Fenster schaue und die von der Sonne angeleuchteten Bergspitzen sehe oder wenn ich nach dem Sitzen am Abend noch aus dem Haus gehe und den klaren Sternenhimmel betrachte.
Die alten Kulturvölker verehrten die Gestirne als Götter. Vor allem die Sonne. Und Franz von Assisi, schon erblindet, stimmte den schönsten Gesang auf sie an, den Sonnengesang.
In diesen sonnenreichen Wochen, wo die Kraft, aber auch die Wucht der Sonne spürbar ist, werden manche von uns unseren Sonnenstern, einen von ein paar Milliarden in unserer Milchstraße, betrachten.
"Wir leben in einem Lichtmeer, das ein Sonnenstern ausschickt. Dieses Licht ist so voll und reich, dass wir allezeit darin baden. Es durchdringt unseren Planeten schon seit so langer Zeit, dass es in allen Stoffen steckt, aus denen wir gemacht sind. Es ist das Gelb der Butterblume und die vulkanische Asche; es ist der Regen und es ist auch der Schnee. Die Wärme des Bodens, jedes Atemzugs und jedes Lebewesens entspringt aus ihm. Selbst unser Denken und unsere Kultur sind Nebenprodukte des Sonnenlichts."
(Richard Grossinger)
Es ist eine gute Meditation, in der Sonne zu liegen, alle Poren geöffnet wie Tore. Und zu erleben, wie Licht einströmt und Leben schafft.
Stein, Pflanze, Tier und Mensch.
Euch allen einen erholsamen Sommer!
Christop

Als ich einmal eine Gruppe bei einem Zenkurs in den Bergen begleitete, fragte mich die Hüttenwirtin, ob ich denn mit den Leuten von einem Begräbnis komme. Viele wirkten offenbar so ernst und traurig.

Dieses ernsthafte und entschlossene Üben in der Stille - wie geht das zusammen mit dem lächelnden Buddha?

In der Zentradition gibt es den lachenden Buddha mit dem dicken Bauch. Es ist der Bettelmönch Hotei, der stets gut gelaunt mit einem gefüllten Almosensack durch die Lande gezogen ist, die er an die Kinder verteilte.

“Er lachte so lange bis die Bewohner der Dörfer mit ihm lachten.”

Im alten China galt er als Symbol für Glück und Reichtum.

Wir begegnen ihm auch in der Geschichte “Der Ochs und sein Hirte”, einem Zyklus von zehn Bildern, wo der Entwicklungsprozess eines Zenübenden dargestellt wird. Im ersten Bild geht es noch ziemlich ernst zu:  … “Der Leib zu Tode erschöpft und verzweifelt das Herz, …” .

Allmählich: “Still nickt sich der Hirte zu und erlaubt sich ein leises Lächeln …. Langmütiges Zähmen, … , sind Ding und Ich gänzlich vergessen, herrscht Ruhe den ganzen Tag, …. , Heiliges, Weltliches spurlos verschwunden, …”.

Der Weg führt wieder aus der Leere hinaus, hinein in die Erscheinungswelt, ins natürliche Menschsein bis zum lachenden, sich dem Leben hingebenden Menschen.

So heißt es im letzten Bild: “Mit entblößter Brust und nackten Füßen kommt er herein auf den Markt, …, seine Wangen überströmt mit mächtigem Lachen. Ohne Geheimnis und Wunder zu mühen, lässt er jäh die dürren Bäume erblühen.”

In den ältesten Abbildungen ist dieser lachende Mönch nicht alleine, er ist mit anderen zu sehen. Er ist bezogen auf andere. Erst dies vollendet seine tiefe Einheitserfahrung.

Der befreite Mensch auf dem Zenweg, der sich selbst vergessen hat und so offen und gelöst lachen kann, erkennt in allem, in jedem Wesen die letzte Wirklichkeit. Dies lässt ihn von gewohnten Anhaftungen und aus Identifikationen mit eingebildeten Sicherheiten heraustreten.

So lässt es sich lächelnd und wissend durch die Welt wandern. In dem Wissen, dass wir “in der Welt, aber nicht von der Welt sind”… (Jesus)

Aus der Erfahrung des Einsseins mit allem wächst unweigerlich das Mitgefühl. Wer fühlt sich nicht angezogen von einem Menschen, der aus der Quelle eines Lächelns voller Güte lebt?

Die alte Geschichte kann uns immer wieder berühren.

“Einst, zu alter Zeit, als Buddha auf dem Geierberg weilte, hielt er eine Blume hoch, drehte sie zwischen den Fingern und zeigte sie der Versammlung. Da verharrten alle im Schweigen. Nur der ehrwürdige Kashyapa begann zu lächeln ….”

Kashyapa erkannte, dass “jeder Augenblick die Manifestation des Ganzen ist.”
Kashyapa wurde daraufhin zum Nachfolger Buddhas ernannt. Damit begann die lange Reihe der Lehrenden im Zen.

Auch wenn uns am Beginn des Weges manchmal das Lachen zu vergehen scheint, so dürfen wir uns immer wieder entspannen, durchströmt uns doch in unserer Tiefe unentwegt ein inneres Lächeln.

Von Herzen,

;-) ;-) Christoph