Newsletter Mai 2019 - Die großen Fragen: Kein Warum?

Der englische Dichter Diage Lorenz wurde einmal von einem Kind gefragt: “Warum sind die Bäume grün?” Er hat angefangen von der Sonne zu sprechen, wie die Sonne von den Pflanzen gespeichert wird und wie das Sonnenlicht in Blattgrün verwandelt wird. Das Kind war total unglücklich und gab keine Ruhe. Diese Antwort wollte es nicht bis schließlich Lorenz aufgab und gesagt hat: “Die Bäume sind grün, weil sie grün sind”.  Und das Kind war glücklich.

So einfach. Die Bäume sind grün, weil sie grün sind. Vielleicht sind unsere Fragen genauso einfach. Warum all das Schöne, warum all das Schlimme? Warum ich? Warum in meiner Familie? Warum jetzt? Warum nicht später? Warum hier? Warum nicht woanders?

Wir versuchen immer wieder Erklärungen zu geben. Dadurch wird alles kompliziert und wir erklären überhaupt nichts. Interessanterweise gibt es keine ewigen Antworten.

Aber es gibt ewige Fragen - ein ununterbrochenes Fragen im Sinne einer Offenheit und Empfänglichkeit.

Warumfragen bleiben unbeantwortet. Die großen Warumfragen nach Leben und Tod sind unbeantwortbar. Meister Eckehart sagt in einer seiner Predigten: “Wer das Leben fragte”, “warum lebst du?”,  es würde antworten: “ich lebe darum, dass ich lebe”.

Das Leben lebt aus seinem eigenen Grund heraus, aus seiner eigenen Quelle, - darum lebt es ohne Warum. Das Leben ist nicht getrennt von seiner Quelle, ist nicht getrennt von seiner Tiefe, ist nicht getrennt von sich selbst und kann im Grunde genommen gar nicht fragen und wenn, kann es nur sagen: “Ich lebe darum, dass ich lebe....”.

Erst wenn wir uns trennen von einem Ereignis oder von einem Menschen, können wir fragen: Warum?

Und so dichtet Angelus Silesius: “Die Ros ist ohn Warum, sie blühet, weil sie blüht”.  Die Bäume sind grün, weil sie grün sind.

“Ohne Warum” schafft Raum für das Mysterium. Antworten schließen zu. “Ohne Warum” lässt alles offen mit viel Respekt vor dem Leben, vor dem Geheimnis.

Wir als Menschen sind nicht in erster Linie dazu da das Leben zu verstehen, sondern es zu leben - unmittelbar - wie immer es gerade ist  - ohne Warum,  ohne Wenn und Aber. Das ist die Übung für heute und für die kommenden Tage.

Mit einer tiefen Verneigung,

Christoph