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Weihnachtsbrief 2023 / Schuberts “Et incarnatus est …”


Franz Schubert hat im Jahre 1828 sein letztes Musikwerk hinterlassen: die Missa in Es-Dur.


Schubert war 32 Jahre alt und vom Tode gezeichnet. Er war arm genug, unglücklich genug und einsam genug, um die Worte der Weihnachtsbotschaft durch sein Leben und durch seine Musik für die gesamte Menschheit und für alle Zeiten gültig auszulegen.


Mit zitternden Händen schrieb Schubert seinen Abschiedsgesang auf die Welt und auf das Leben. Bei den Worten des Credo “Et incarnatus est pro nobis ex Maria virgine - er hat Fleisch angenommen für uns aus der Jungfrau Maria” beginnt etwas Wunderbares, Neues, zutiefst Berührendes ….



Ein Mensch, der durch ein leichtsinniges Liebesabenteuer von einer Krankheit heimgesucht wurde, die in jenen Tagen tödlich war. Er lag auf dem Krankenbett, der ganze Körper eine einzige Wunde.

Von seinem Vater verflucht, von den Damen der Wiener Gesellschaft verlacht, von den Kritikern verhöhnt. Wie kann ein solcher Mensch, am Rande des Grabes schon, uns etwas von der Erlösung der Menschheit sagen?

Franz Schubert, der unzählige Gedichte großer Dichter mit der Musik seines Herzens so beantwortete, dass daraus Lieder wurden, die unsterblich sind, wollte auf dem Sterbebett, dass der Gesang der Engel auf den Fluren von Bethlehem zu einem unsterblichen Gedicht wurde auf unser Leben.


Schubert, der nach einem einzigen Abenteuer in seinen jungen Jahren durch eine Krankheit hinweggerafft wurde und dies entsprechend der damaligen bürgerlichen Auffassung als ein gerechtes Gottesurteil galt, entfaltet in dieser Situation eine Musik, einen Gesang, die etwas von der Erlösung in dieser Weihnacht ahnen lässt.

Gewiss, es gibt Gefühle der Verzweiflung, der Ohnmacht, der körperlichen und seelischen Leiden. Mögen unsere Fehler, Entmutigungen, Entgleisungen noch so groß sein - die Botschaft der Weihnachtstage schenkt uns die Verheißung: Es lebt in dem Herzen eines jeden Menschen eine Musik. Eine Musik, die nur er zu spielen vermag. Seine Aufgabe ist es, diese Musik zu finden und allen weiterzugeben.


Inmitten der Gemeinheiten, Erniedrigungen und Qualen findet Schubert zu jener verborgenen Quelle der Liebe, die so schwach und zart ist, aber einzig auf ihr ruhen alle Verheißungen und hat die Kraft, die Welt zu verändern.


Und noch eine Botschaft gibt uns Schubert aus dem Geheimnis der Menschwerdung mit auf den Weg: “Vergiss die Schönheit nicht.”

Auch dies ist so erschütternd und groß im Jahre 1828.

Ein Mann liegt gedunsen da, dessen Leib übel riecht … Auch das heißt Fleisch, Vergänglichkeit und Erdendasein.

Und dennoch gibt es die rettende und erlösende Botschaft, dass alles, was uns umgibt, geborgen und gehalten wird von unsichtbaren Händen, eine Schönheit, die atmet, die nie vergeht.

Sogar im Verfall strahlt das geheimnisvolle Licht. Nichts, was ausgenommen werden würde.


Es sind diese drei großen Kräfte, die uns helfen, das Heimweh zu beruhigen und unsere Vision zu realisieren:

das Vertrauen, dass wir angenommen und erlöst sind, und wir deswegen unser Leben wagen können, das Vertrauen in die allumfassende Liebe, die uns lehrt, trotz allem weit und stark zu sein, und das Vertrauen in die Schönheit, selbst noch am Abgrund.


Können wir ein Stück ahnen von der Menschwerdung Gottes hier auf dieser Erde?


Von Herzen wünsche ich euch allen, dass wir uns von der geheimnisvollen Kraft der Liebe in jeder Stunde getragen wissen, mögen sie dunkel sein oder hell. Mögen wir uns trösten lassen mit dem Licht, selbst im Schatten eines großen Dunkels!


In diesem Sinne gesegnete und friedvolle Weihnachten!

Für all die vielen Formen eurer Zuwendung in diesem Jahr möchte ich mich von Herzen bedanken!


Christoph


Foto: Krippe in Oppenberg / Obersteiermark


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