Sinn erleben
- vor 11 Minuten
- 2 Min. Lesezeit

Christoph mit Maria & Ruben Habito
Liebe Freundinnen und Freunde der Zenpraxis,
manchmal scheint die Welt voller Möglichkeiten – und zugleich voller Unruhe. Nachrichten, Anforderungen, Termine und Erwartungen ziehen an uns. Was trägt uns in all dem? Was gibt unserem Leben Sinn?
Bei den diesjährigen Salzburger Hochschulwochen hat der Philosoph Michael Zichy eine interessante Perspektive auf diese Frage vorgestellt. Seine These: Sinn entsteht wesentlich darin, anderen Menschen wichtig zu sein.
Ein sinnvolles Leben, so Zichy, verbindet dabei drei Dinge: die Erfüllung eigener Wünsche, Tätigkeiten, die wir als wertvoll erleben, und unsere Beziehung zu anderen Menschen. Besonders wichtig sind tiefe Beziehungen, in denen wir einander um unserer selbst willen wichtig sind – ohne einander zu vereinnahmen oder auf etwas festzulegen.
Dazu kommt die Ausrichtung auf das Wahre, Schöne und Gute: auf das, was über unser persönliches Ich hinausweist und durch unser Leben vielleicht ein wenig mehr Gestalt gewinnen kann.
Ich finde, dass sich hier eine schöne Verbindung zur Zenpraxis zeigt.
Zen verspricht uns keinen fertigen Lebenssinn. Wir müssen ihn nicht im Denken herstellen und auch nicht ständig nach einer großen Antwort suchen. Wir sitzen. Wir atmen. Wir hören. Wir gehen. Wir sehen, was gerade da ist. Und indem wir wirklich gegenwärtig werden, können wir empfänglich werden für das, was uns trägt.
Empfänglich zu bleiben für das Geheimnis, das uns trägt. Für das Wahre, Schöne und Gute, das durch uns Gestalt gewinnen kann.
Und vielleicht geschieht dann etwas, das wir nicht machen können: Wir werden durchlässiger für das Leben selbst. Für den Menschen, der uns gegenübersitzt. Für einen Augenblick der Stille. Für einen Baum, einen Vogelruf, einen Sonnenstrahl. Für das Leid eines anderen Menschen und ebenso für seine Freude.
Vielleicht liegt darin auch eine Antwort auf die Frage nach dem Sinn: nicht immer mehr zu suchen, sondern mehr wahrzunehmen.
An diesem Gedanken gefällt mir besonders, dass Sinn nichts Spektakuläres sein muss. Er kann ganz im Kleinen beginnen. In einem aufmerksamen Gespräch. In einem freundlichen Blick. Darin, jemandem wirklich zuzuhören. Darin, eine Aufgabe mit Hingabe zu tun – sei sie noch so klein.
Unsere Zenpraxis kann ein Ort sein, an dem wir genau das üben: weniger festzuhalten, weniger zu machen und mehr zu sein. Und aus dieser Stille heraus vielleicht etwas in die Welt zu geben, das dem Leben dient.
Ausblick
Danke
Zum Schluss möchte ich auch Danke sagen: für all die Spenden und für die Dienste, die von engagierten Menschen für unsere Zengruppe übernommen werden.
Vieles davon geschieht ganz selbstverständlich und oft im Hintergrund – beim Organisieren, Vorbereiten, Aufräumen, Begleiten und Mithelfen. Jede dieser Gesten trägt dazu bei, dass unsere gemeinsame Praxis möglich wird.
Danke für eure Zeit, eure Aufmerksamkeit, eure Unterstützung und euer Mittragen.
Auch darin zeigt sich für mich etwas von dem, was Sinn stiften kann: einander wichtig zu sein und etwas beizutragen, das anderen zugutekommt.
Herzlich verbunden
Christoph



Kommentare